Geburtshaus in Brackenheim.

 

Theodor Heuss –
Politiker und Staatsmann, Journalist und Literat

Als Theodor Heuss am 31. Januar 1884 in Brackenheim als jüngster Sohn des Straßenbaumeisters Louis Heuss und seiner Ehefrau Elisabeth geboren wurde, konnte niemand voraussagen, dass er einmal Präsident einer demokratischen, deutschen Bundesrepublik werden könnte.

Dabei lässt sich gerade an seinem Leben ein wesentliches Stück deutscher Geschichte nachvollziehen, das von der Monarchie über die Weimarer Republik und die Zeit des Nationalsozialismus bis hin zur Bundesrepublik Deutschland reicht, zu deren ersten Präsidenten er am 12. September 1949 gewählt wird.

Kindheit, Jugend und Ausbildung im Kaiserreich
Am 31. Januar 1884 kommt Theodor Heuss in Brackenheim zur Welt. Hier verbringt er seine ersten sechs Lebensjahre. Schon während des Schulbesuches in Heilbronn macht er erste journalistische Erfahrungen. 1905 schließt er 21-jährig in München sein Studium der Nationalökonomie mit der Promotion „Weinbau und Weingärtnerstand in Heilbronn am Neckar“ ab.

Im selben Jahr lernt er in Berlin im Hause Friedrich Naumanns, der nicht nur sein Vorbild und Lehrer, sondern zugleich auch ein herausragender Vertreter des sozialen Liberalismus ist, seine zukünftige Frau Elly Knapp kennen. Sie werden 1908 von Albert Schweitzer in Straßburg getraut. Journalistische Tätigkeit bei „Die Hilfe“ und „März“ u.a.

       
   

Erster Weltkrieg und Weimarer Republik
Von 1912 - 1918 wohnt die Familie wieder in Heilbronn, wo Theodor Heuss Chefredakteur der liberal orientierten Neckarzeitung ist. Wieder zurück in Berlin tritt Heuss im Januar 1918 in die Geschäftsführung des Deutschen Werkbundes ein und wirkt ab 1920 als Studienleiter und Dozent an der privaten „Deutschen Hochschule für Politik“. Seit Mai 1924 ist er, mit einer zweijährigen Unterbrechung, Abgeordneter im Deutschen Reichstag für die Deutsche Demokratische Partei. Im März 1933 stimmt Heuss, der sich zuvor für eine Stimmenthaltung ausgesprochen hat, u.a. aus Fraktionsdisziplin dem „Ermächtigungsgesetz“ zu.

In der Zeit des Nationalsozialismus
1933 wird Heuss die Dozentur an der Hochschule für Politik entzogen und er verliert sein Reichstagsmandat. Er übernimmt bis 1936 die Herausgabe der „Hilfe“. Bis 1943 kann er gelegentlich , seit 1942 unter dem Pseudonym „Thomas Brackheim“, Kurzbiographien über Personen der deutschen Geschichte und kleine unpolitische Essays in der „Frankfurter Zeitung“ veröffentlichen. Dann ereilt ihn endgültig das Schreibverbot.

Elly Heuss-Knapp wird als begabte Werbetexterin zur Ernährerin der Familie. 1943 übersiedelt das Ehepaar Heuss von Berlin nach Heidelberg-Handschuhsheim; Heuss unterhält Kontakte zum Deutschen Widerstand, unter anderem zu Carl Goerdeler. Während dieser Zeit der inneren Emigration arbeitet Theodor Heuss an seinen großen biographischen Werken über Friedrich Naumann, Robert Bosch, Anton Dohrn und andere.

       
   

Vom Publizisten zum Parlamentarier
Nach der Kapitulation der nationalsozialistischen Diktatur wird Theodor Heuss zum Lizenzträger der Rhein-Neckar-Zeitung in Heidelberg. Im September 1945 wird Heuss von der amerikanischen Militärregierung zum Kultminister des Landes Württemberg-Baden berufen. Hier legt er unter anderem die Grundlagen für ein demokratisches Schulwesen. Theodor Heuss und Elly Heuss-Knapp werden als Abgeordnete in den Landtag gewählt. 1948 folgt die Wahl in den Parlamentarischen Rat — Heuss wird zum „Geburtshelfer“ des Grundgesetzes.

       
 

Staatsmann Theodor Heuss.

 

Der erste Bundespräsident
Im August 1949 wird Theodor Heuss zum Bundestagsabgeordneten gewählt. Am 12. September 1949 wählt ihn die Bundesversammlung zum 1. Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland. Bereits drei Tage später verleiht ihm seine Geburtstadt Brackenheim als erste Gemeinde in Deutschland die Ehrenbürgerschaft.

In seiner Amtszeit befasst sich Theodor Heuss sich in seinen Reden und Ansprachen vor allem mit der Frage, welche Lehren aus der nationalsozialistischen Vergangenheit gezogen werden müssen, mit der wiederzugewinnenden Einheit Deutschlands und dem Schicksal Berlins sowie einer zukünftigen europäischen Rechts- und Staatsordnung. 1952 stirbt Elly Heuss-Knapp.

1954 wird Heuss mit großer Mehrheit wiedergewählt. Er unternimmt entscheidende Staatsbesuche ins europäische und außereuropäische Ausland, bis seine Amtszeit im September 1959 endet.

       
 

Theodor Heuss in seinem Arbeitszimmer in Stuttgart.

 

Die letzten Jahre
Im Oktober 1959 erhält Theodor Heuss den Friedenspreis des deutschen Buchhandels. Er unternimmt 1960 als Alt-Bundespräsident zwei große Reisen nach Israel und Indien und arbeitet in der folgenden Zeit an seinen Erinnerungen.

Am 12. Dezember 1963 stirbt Theodor Heuss, der es als seine Aufgabe sah, das „Paragraphengespinst“ mit "Menschentum" zu füllen, 79-Jährig in seinem letzten Wohnort Stuttgart, von der Bevölkerung tief betrauert.