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Aktuelles

Artikel vom 12.02.2026

Demokratie – ein Dilemma damals wie heute?

Brackenheim feiert den 142. Geburtstag von Theodor Heuss mit einem Festvortrag von Dr. Thorsten Holzhauser

Auch der 142. Geburtstag von Theodor Heuss wird am 31. Januar im Bürgersaal des Rathauses, musikalisch umrahmt von der Harfenvirtuosin Maren Ferber, gefeiert, diesmal mit dem Festvortrag von Dr. Thorsten Holzhauser „Das Dilemma der Demokratie“. In seinem Grußwort nimmt Bürgermeister Thomas Csaszar darauf Bezug mit einem Ausspruch von Heuss, das deutsche Volk habe es sich zu leicht gemacht, sich in die Fesseln des Nationalsozialismus zu begeben. Eine Feststellung, der auch der Gastredner in seinem überaus fundierten Vortrag nachgeht.
Dass das Thema kurz vor der Landtagswahl viele Bürger bewegt, zeigt die Zahl der Gäste: Etwa 60 hat man erwartet, über 150 sind gekommen.
Dr. Holzhauser, Historiker und Geschäftsführer der Stiftung Bundespräsident-Theodor-Heuss-Haus Stuttgart, setzt sich damit auseinander, wie man mit den extremen Rechten umgehen soll. Eine Frage, mit der sich auch Heuss zeitlebens beschäftigt - in der Weimarer Republik, später in der Bundesrepublik, und welche Strategien hilfreich sind.
Der Historiker geht dabei aus von einem Brief einer besorgten Hausfrau aus Leer, Erika Hörmann, 1952 an Heuss geschrieben, aus Angst, „dass der politische Kurs in Deutschland wieder extrem gehen könnte”, mit den gleichen Problemen wie 1933.
Eine Sorge, die auch heute viele teilen - gerade auch mit Blick auf die USA!
Wie mit der extremen Rechten umgehen? Abschottung? Brandmauer? Entzauberungsstrategien? Demonstrationen? Oder aber nicht verteufeln, stattdessen aufklären oder gar an der Regierung beteiligen?
Gedanken, die schon Heuss umtreiben. Er ist nicht nur Politiker, Verfassungsvater und Gründungspräsident unserer Demokratie. Er ist auch ein zaudernder, hinterfragender, lernender Staatsbürger, den der Referent vor Augen führt - ab der Weimarer Republik, einem Rechtsstaat mit Bürgerrechten, Wahlen und einer parlamentarischen Regierung, bekämpft von völkischen Nationalisten, Antisemiten, Verschwörungsideologen, Demokratiefeinden.
Prävention durch Aufklärung, intellektuelle Ironie und Satire, nüchterne, objektive Analysen sind damals wie heute wenig erfolgreich. Dass sich Heuss als Journalist nicht neutral verhält, sondern sich positioniert, vor allem nach der Ermordung Walter Rathenaus durch Rechtsextremisten, ist für ihn eine selbstverständliche Pflicht. Heute spricht man von einer „wehrhaften Demokratie”.
Am Ende der Weimarer Republik wird der Ruf nach einem starken Führer laut, nur sollte er nicht Hitler heißen! Die ständigen Diskussionen über eine mögliche Einbindung der Nationalsozialisten in die Regierung verstärken den Eindruck, Hitler sei nicht mehr aufzuhalten. „Eine selbsterfüllende Prophezeiung.” Innerhalb weniger Wochen wird aus einer Demokratie eine Diktatur.
Die Demokraten hätten verloren, weil sie Hitler unterschätzten, so Dr. Holzhausers Fazit. Sie seien so überzeugt von der Demokratie gewesen, dass sie auch mit deren Gegnern demokratisch umgehen wollten. Ein Dilemma, vor dem man auch heute oft stehe. Das Grundgesetz sei kein Garant für Demokratie und Stabilität. Allerdings zeigten Wahlen wie in Kanada und den Niederlanden, dass ein rechter Siegeszug nicht unausweichlich ist.

Text: Helga El-Kothany

Beim anschließenden Stehempfang wurde der Vortrag angeregt gewürdigt und diskutiert. V. li. Thomas Csaszar, Dr. Thorsten Holzhauser, Dr. Giovanna-Beatrice Carlesso, Leiterin des Theodor-Heuss-Museums